Kreta produziert seit über 4.000 Jahren Wein. Archäologische Funde aus den minoischen Palastanlagen von Knossos und Akrotiri belegen großflächigen Weinbau bis 2000 v. Chr. Heute ist die Insel Griechenlands größtes Weinanbaugebiet nach Fläche, mit rund 25.000 Hektar Rebfläche und vier geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.), die die Premiumproduktion regulieren.
Die Insel trägt rund 20 % der griechischen Gesamtweinproduktion bei. Der Weinbau profitiert von kalkreichen Böden, Lagen zwischen Meereshöhe und über 700 Metern in den Ausläufern des Psiloritis sowie einem klassisch mediterranen Klima: heiße, trockene Sommer, milde und regenreiche Winter. Das Ergebnis sind Weine mit hohem natürlichem Alkohol, ausgeprägtem Fruchtcharakter und — auf kühleren Höhenlagen — überraschender Frische.
Die Vidiano-Traube und Kretas einheimische Rebsorten
Die Vidiano-Traube ist die Botschafterin des modernen kretischen Weins. Ende der 1990er-Jahre fast ausgestorben, wurde sie durch gezielte Wiederbepflanzungen von Erzeugern in den Regionen Heraklion und Rethymno gerettet, die ihr Potenzial erkannten. Vidiano ergibt vollmundige Weißweine mit Aromen von weißem Pfirsich, Aprikose, Zitrusblüte und Mandel, die auf natürlichem Wege 13,5–14,5 % Alkohol erreichen. Der Gaumen ist reichhaltig, ohne schwer zu wirken, und der Wein reift gut über zwei bis vier Jahre. Er ist heute die Rebsorte, die auf internationalen Weinkarten am häufigsten schlicht mit „Kreta" ausgezeichnet wird.
Vilana ist die mengenmäßig führende Weißweinsorte der g.U. Peza. Leichter und frischer als Vidiano, entstehen daraus Weine, die innerhalb von zwei Jahren nach der Lese getrunken werden sollten. Er wird am häufigsten aus Karaffen in Herakliots Tavernen eingeschenkt und ist die erste Wahl für Erzeuger mit großen Abfüllmengen. Thrapsathiri, hauptsächlich in Sitia im Osten Kretas angebaut, bietet mehr floralen Charakter und mineralische Frische als Vilana — eine lohnende Entdeckung.
Die führenden roten Rebsorten sind Kotsifali und Mandilari, die fast immer zur Cuvée vereint werden. Kotsifali allein ist weich, tanninarm und oxidationsanfällig. Mandilari bringt tiefe Farbe, feste Tannine und hohe Säure mit. Die Cuvée — das Rückgrat der roten g.U. Peza — ergibt mittelkräftige Weine mit Kirsche, getrockneten Kräutern und einem würzigen Abgang. Gut gemachte Exemplare lagern problemlos fünf bis acht Jahre.
Liatiko ist Kretas älteste rote Rebsorte, in byzantinischen Handschriften erwähnt und mit dem mittelalterlichen Malvasier-Handel der Insel verbunden. In den g.U. Dafnes und Sitia erscheint er sowohl trocken als auch lieblich (Liasto). Im besten Falle liefert Liatiko rote Kirsche, Orangenschale, Leder und subtile Würze auf einem seidigen, tanninleichten Rahmen. Die Einzellagen-Abfüllungen der Weingüter Douloufakis und Lyrarakis gelten als Maßstab für diese Rebsorte.
Kretas Weinregionen: Vier g.U.-Zonen im Überblick
Kretas vier g.U.-Zonen konzentrieren sich im zentralen und östlichen Teil der Insel.